Stirbt der Hausspatz (Haussperling) aus?
Warum ist der Sperling, hier konkret der Hausspatz, so selten geworden?
Gedanken zum Leserbrief von Rudolf Müller in "Mein Blättche" Ausgabe 785
von Bertwin Dehmer, Natur- und Vogelschutzgruppe (NVSG) Bad Orb
Rudolf Müller stellte in „Mein Blättche“ Ausgabe 785 vom 31.10.2026 die Frage,
ob der Hausspatz (Haussperling) langsam aussterbe, da er schon lange keinen mehr gesehen habe. Er täuscht sich nicht - sie werden wirklich weniger. Ehrlich gesagt, ich habe seit Wochen keinen mehr gesehen!
Der Hausspatz war jahrzehntelang der häufigste Vogel Deutschlands. Schon seit den 70ern ist der Bestand in vielen Städten um 30-50% zurückgegangen. Auf dem Land hält er sich besser, aber auch da geht es runter.
Warum? Er ist ein Kulturfolger. Er braucht genau das, was wir modernen Menschen abschaffen:
Keine Nischen mehr zum Brüten
Früher: kaputte Dachziegel, Ritzen im Mauerwerk, offene Scheunen. Heute: alles perfekt gedämmt, Neubau ohne Spalten, Dachausbau. Er brütet gern in Kolonien direkt am Haus - und findet kein Loch mehr. Auch in unseren 900 Nistkästen ist er kaum zu finden; sie hängen einzeln, der Hausspatz ist ein Kolonien Brüter, er liebt Gesellschaft.
Kein Futter für die Jungen
Das ist der Hauptgrund. Erwachsene Spatzen fressen Körner, aber die Jungen brauchen in den ersten 2 Wochen fast nur Insekten - Blattläuse, Raupen, kleine Fliegen.
Durch versiegelte Gärten, Schottergärten, Pestizide und zu aufgeräumte Grünflächen gibt es davon viel zu wenig. Ein Spatzenpaar braucht für eine Brut rund 3.000-4.000 Insekten. Finden sie die nicht, stirbt die Brut.
Kein Futter im Winter
Wir Älteren können uns gut erinnern: Früher lagen Körner auf Höfen, Pferdeäpfel, offene Getreidespeicher. Heute ist alles dicht und sauber. Und die intensive Landwirtschaft lässt kaum Wildkräuter mit Samen stehen.
Mehr Feinde und Konkurrenz
Mehr Katzen in Wohngebieten, mehr Turmfalken, Elstern und Krähen die Nester plündern, und gebietsweise Konkurrenz durch den Feldsperling. Und der Waschbär,
dessen Population immer größer wird und auch Meisen und andere Vögel bedroht. Selbst vor unseren Nistkästen macht er nicht halt, raubt die Eier, holt die Brut aus den Nisthöhlen und beschädigt sogar unsere Nistkästen.
Kurz gesagt: Wir haben ihm Wohnung und Küche gleichzeitig genommen.
Doch was kann helfen?
- Nistkästen mit 32mm Einflugloch, am besten 2-3 nebeneinander, unter dem
Dachüberstand.
- Keine Schottergärten - lieber Hecken aus Weißdorn, Liguster, Efeu
- Insektenfreundlich: Wildblumen stehen lassen, nicht spritzen
- Ganzjährig eine kleine Ecke Körner und Wasser anbieten
Wo es das wieder gibt, kommt er übrigens erstaunlich schnell zurück.
Wir wundern uns, warum es um uns herum immer stiller wird! Wenn jeder sagt:
„Das ist halt so“ und wir uns nicht hinterfragen und informieren, was wir gegen eine schwindende Natur unternehmen können, wird es immer weniger um uns herum!
Wir, in der Natur- und Vogelschutzgruppe, haben ganz vielfältige Aufgabe und brauchen immer aktive Unterstützung! Nicht in Form eines Beitragszahlers – nein, aktive Helfer, die mit anpacken und auch neue Ideen einbringen, aktiv mitarbeiten.
Lieber Rudolf Müller, vielleicht auch was für Dich?
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